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Pelz adé

Wie Europa immer pelzfreier wird

Europäischer Nerz in Freiheit. Foto: © AdobeStock/KEERIWALAGAMAGE
Europa verabschiedet sich Schritt für Schritt vom Echtpelz. Was lange als Luxus galt, verliert rasant an Akzeptanz – aus Tierschutz-, Umwelt- und Gesundheitsgründen. Ein Blick auf die Landkarte zeigt: Viele Länder haben Pelzfarmen bereits verboten oder planen den Ausstieg.
Ein Bericht von Jan Peifer

In Großbritannien sind Pelzfarmen seit Anfang der 2000erJahre Geschichte. Österreich, Kroatien, Slowenien, Mazedonien, Serbien, Bosnien und Herzegowina, Tschechien, Slowakei sowie Estland und Lettland haben nachgezogen. In den Niederlanden endete die Nerzzucht 2021 früher als geplant. Irland hat 2023 Schluss gemacht, Malta und Luxemburg ebenso. Frankreich verbot die Zucht von Tieren ausschließlich zur Pelzgewinnung, ebenso Belgien. Italien hat Pelzfarmen beendet, Litauen und Bulgarien haben Ausstiegspläne oder Gesetzesinitiativen in Arbeit. In Spanien und Polen wächst der politische Druck; mehrere Regionen prüfen Verbote oder strenge Auflagen, die die Zucht faktisch beenden könnten.

Dänemark hatte im Rahmen der Corona-Pandemie rund 17 Millionen Nerze töten lassen und die Zucht anschließend verboten. Mittlerweile ist sie zwar wieder erlaubt, doch zur einstigen Größe wird der frühere Weltmarktführer in der Pelzproduktion nicht mehr zurückkommen. Norwegen ist seit dem 1. Februar 2025 die 16. europäische Nation, die Pelztierzucht verbietet oder einschränkt. Diese Entwicklung ist kein Zufall.

In der Natur sind Pelztiere wie Nerze, Marderhunde und Iltisse faszinierend und wunderschön. Nerze leben halbaquatisch an Flüssen und Seen, erkunden täglich ihr großes Revier und werden in Freiheit etwa 4 bis 6 Jahre alt. Marderhunde sind nachtaktive Waldbewohner mit weiten Streifgebieten von bis zu 10 km2 und einer Lebenserwartung von 6 bis 8 Jahren. Iltisse streifen dämmerungsaktiv durch Wiesen, Wälder und Gewässerränder, brauchen Rückzugsmöglichkeiten und werden 4 bis 6 Jahre alt. All diese Tiere verdienen ihren Raum und ihr Leben in Freiheit – sie gehören nicht auf Pelzfarmen oder in Gefangenschaft, sondern in ihre natürlichen Lebensräume, wo sie ihre Schönheit und Eigenheiten voll entfalten können.

Tierschutzkampagnen haben das Thema Pelz jahrelang in die Öffentlichkeit getragen:

Schockierende Bilder aus Farmen, Fakten zu Tierleid, Umweltbelastungen durch Gülle und Chemikalien sowie Gesundheitsrisiken bei der Gerbung. Organisationen und nationale Bündnisse sammelten Millionen Unterschriften, organisierten Proteste vor Boutiquen und setzten auf Dialog mit Handel und Designschulen. Initiativen wie „Fur Free Retailer“ machten es Konsumenten leicht, pelzfreie Marken zu erkennen. In sozialen Medien erreichten Kampagnen vor allem junge Zielgruppen, und dies mit Erfolg: Echtpelz gilt zunehmend als aus der Zeit gefallen; Kunstfell und tierfreie Materialien werden zum Standard. Auch in den Ateliers hat ein Umdenken stattgefunden. Zahlreiche Modehäuser verzichten heute vollständig auf Echtpelz. Zu den Vorreitern zählen Stella McCartney und Vivienne Westwood, später folgten große Namen wie Gucci, Versace, Prada, Armani, Burberry, Chanel, Balenciaga, Alexander McQueen, Saint Laurent und Valentino. Im Luxussegment haben sich Kering und die OTB Group pelzfrei erklärt. Bei den Kaufhäusern sind Galeria, Selfridges und das Nobelkaufhaus Harrods pelzfrei, viele Onlinehändler schließen Echtpelz in ihren Richtlinien aus. Sport- und Outdoor-Marken ersetzen Pelzkrägen und Pompons durch synthetische oder pflanzliche Fasern. Diese Entscheidungen sind nicht nur ethisch motiviert, sondern auch wirtschaftlich: Die Nachfrage sinkt, und nachhaltige Materialien schaffen ein modernes Image.

Wie steht es um Deutschland?

Pelztierfarmhaltung gibt es hier nicht mehr; die letzten Betriebe haben nach Schritt für Schritt strenger gewordenen Tierschutzauflagen aufgegeben. Im Handel kennzeichnen viele Ketten ihre Sortimente pelzfrei, einige Bundesländer setzen bei öffentlichen Beschaffungen auf klare Ausschlüsse. Diskutiert werden stärkere Kontrollen gegen irreführende Etikettierung und ein Verbot von Wildtierfallen-Pelzimporten. Zunehmend wichtig ist auch die Unterscheidung zwischen Echtpelz und synthetischem Fell. Verbraucher achten auf Label wie „Fur Free Retailer“ und transparente Materialangaben. Auch auf EU-Ebene nimmt die Bewegung Fahrt auf. Die Europäische Bürgerinitiative „Fur Free Europe“ hat über eine Million gültige Unterschriften gesammelt. Die EU-Kommission prüft daraufhin ein unionsweites Verbot der Pelztierzucht und strengere Regeln für den Pelzhandel. Parallel werden Chemikalienverordnungen (REACH) und Produktkennzeichnungen überarbeitet, was den Pelzmarkt zusätzlich reguliert. Mehrere Mitgliedstaaten drängen bereits auf ein gemeinsames Vorgehen, um Schlupflöcher zu schließen und Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden.

Fazit:

Europa wird pelzfrei – Schritt für Schritt, Land für Land, Kollektion für Kollektion. Kampagnen, gesetzliche Maßnahmen und klare Entscheidungen der Modebranche wirken zusammen. Mit jedem Label, das auf Echtpelz verzichtet, und jedem Land, das die Zucht beendet, schrumpft der Markt. So entsteht eine Modewelt, die Stil mit Verantwortung verbindet – und Tieren Leid erspart.

Die Broschüre von aktion tier zur Aufklärungskampagne zum Thema „Pelz“ können Sie kostenfrei unter www.aktiontier.org im Downloadbereich herunterladen, unter shop.aktiontier.org oder per E-Mail unter shop(at)aktiontier.org oder telefonisch unter 030 3011162-55 bestellen.