Dauerregen brachte Mauersegler in Schwierigkeiten
aktion tier Berlin
Denn dieser sowieso schon in vielerlei Hinsicht außergewöhnliche Vogel mit den Stummelfüßchen hat auch in puncto Wetter eine spezielle Strategie: Er verfügt über eine Art „innere Wetterwarte“ und spürt anhand des Luftdrucks, wenn sich Regen ankündigt. Niederschlagsgebiete werden dann weiträumig und teilweise über hunderte Kilometer hinweg umflogen. Während der Brutzeit sind die Altvögel daher bei Dauerregen oft länger unterwegs, so dass ihre Jungen, die nicht gefüttert werden können, an Gewicht verlieren. Wenn die flüggen Tiere später dann das Nest verlassen, sind sie nicht so kräftig und wohlgenährt wie gewöhnlich und können daher auch eher einmal aufgrund von Entkräftung „abstürzen“.
So erging es auch einem Mauersegler, der Ende Juli auf meinem Balkon notlandete. Es handelte sich um einen unverletzten, flugfähigen Jungvogel mit einer guten Flügellänge von 17 cm. Allerdings wog er mit 30 Gramm deutlich weniger als normalgewichtige Mauersegler (40 Gramm plus). Da es am kommenden Tag weiter in Strömen goss, päppelte unsere vor allem in der Vogelpflege sehr versierte Tierpflegerin Jeannette Dressler den Kleinen erst einmal auf. Mauersegler sind vom Fressverhalten her äußerst speziell – so sperren die Küken nicht erwartungsvoll den Schnabel auf, sondern stülpen ihn über den Kopf des Altvogels und schlucken den von diesem hervorgewürgten Insektenbrei. Daher müssen Mauersegler in Gefangenschaft immer „gestopft“ werden. Dazu wird der Schnabel sehr vorsichtig aufgebogen und der tierische Nahrungsbrei in den Schlund gestopft. Das ist eine Arbeit für Fachleute! Versuchen Laien, den Schnabel aufzupressen, kann es leicht zu Verletzungen bis hin zur Schnabelfraktur (Schnabelbruch) kommen.
Für Notfälle wie diesen haben wir in unserer Berliner Geschäftsstelle immer einen kleinen Vorrat an Seidenraupen-Puppen im Kühlfach. Die eiweißreiche Kost hat unserem Pflegling sehr gut geschmeckt und dafür gesorgt, dass er schnell zu Kräften kam. So war der Vogel nach nur einem Erholungstag wieder lebhaft, und da das Wetter schön war, konnten wir in einem nahegelegenen Park einen Auswilderungsversuch starten. Vögel, die nach einer Pflegezeit wieder in die Freiheit entlassen werden sollen, darf man nie einfach in die Luft werfen. Besser ist es, die Tiere auf der flachen, hochgehobenen Hand sitzen zu lassen und zu warten, bis sie zum Fliegen bereit sind. Unser Mauersegler ließ sich ganz schön Zeit, und ich setzte mich schließlich auf eine Bank, da mir der Arm einschlief. Nach etwa 30 Minuten spazierte der Vogel dann auf meiner in die Luft gereckten Hand herum und spreizte seine Flügel. Unter den Blicken mehrerer Parkbesucher, die sich mittlerweile neugierig um uns geschart hatten, kam dann endlich der entscheidende Moment: Unser Pflegling startete. Zuerst flog er etwas unsicher ziemlich nah über dem Boden, machte nach einigen Metern eine Kehrtwende und kam direkt auf mich zu. Über meinem Kopf drehte der Vogel dann noch mehrere Runden bis er sich schließlich immer weiter hochschraubte und sich in großer Höhe anderen Mauerseglern anschloss. Mir kam es vor, als hätte sich unser kleiner Freund verabschiedet. Aber das ist natürlich völlig vermenschlicht und „unbiologisch“.
Außerhalb der Brutzeit verbringen Mauersegler ihr Leben ausschließlich in der Luft. Unfälle wie beispielsweise Scheibenanflüge, Kämpfe untereinander oder Erschöpfung infolge einer Schlechtwetterperiode, wodurch zu wenige Insekten erjagt werden konnten, sind einige Gründe, warum Mauersegler „abstürzen“ und dann hilflos am Boden herumkriechen.
Hier einige Tipps, wie Sie diesen Vögeln helfen können:
Den Mauersegler nie einfach in die Luft werfen! Er befindet sich nicht ohne Grund am Boden, kann gebrochene Knochen haben, völlig abgemagert oder schlichtweg noch zu jung zum Fliegen sein.
Mit dem sauberen Finger vorsichtig 1-2 Wassertropfen am Schnabelrand entlanglaufen lassen, bis der Segler schluckt. Den Mauersegler in einen dunklen, mit weichem Küchenpapier ausgelegten Karton setzen. Bitte weder Käfig noch Korb verwenden, denn Segler können gut klettern und ausbrechen oder sich an den Gitterstäben das Gefieder ruinieren.
Bitte keine Fütterungsversuche unternehmen. Mauersegler sind reine Insektenfresser, und das Stopfen darf nur von erfahrenen Personen durchgeführt werden, da der Vogelschnabel leicht bricht und auf keinen Fall mit Gewalt geöffnet werden darf. Fachliche Informationen erhält man zum Beispiel bei der aktion tier-Fachberatung für Wild- und Heimtiere, Ingeborg Polaschek (Tel.: 06051 73615) oder bei der Deutschen Gesellschaft für Mauersegler in Frankfurt/Main (Tel.: 069 35 35 15 04).
Sehr empfehlenswert ist auch die Mauersegler-Homepage von Klaus Roggel (www.mauersegler.klausroggel.de) mit Filmen und Fotos sowie vielfältigen Informationen wie beispielsweise Erfahrungsberichte, Tipps zur Ansiedelung und Hilfe für Notfälle.