Auch Wachteln leiden im Käfig
Verbraucherschutztipps
Wachtel-Eier galten schon im Mittelalter als Delikatesse. Sie sollen gut verträglich und cholesterinarm sein. Außerdem werden ihnen verschiedene gesundheitsfördernde Effekte nachgesagt, die wissenschaftlich aber nicht bewiesen sind. Auch das Fleisch der Wachteln ist bei Feinschmeckern beliebt. Wachteln für die Fleischproduktion werden vor allem in Frankreich, Italien, Portugal und Spanien gemästet. In riesigen Stallhallen mit teils über 100.000 Tieren leben sie unter den gleichen Umständen wie Masthähnchen auch bei uns. In Deutschland hingegen sind Wachteleier mittlerweile nicht mehr nur in Feinkostläden zu bekommen, sondern auch in Supermärkten und mitunter sogar Discountern. Teurer als Hühnereier sind sie oft nicht mehr.
Bis zu 40 Millionen Wachteleier werden schätzungsweise allein in Deutschland pro Jahr verbraucht.
Dafür werden Wachteln wie Hühner in Legebatterien gehalten. In diesem Jahr haben verschiedene Recherchen Tierleid ans Tageslicht gebracht, welches oft nicht wahrgenommen wird. In der Regel sind die Hallen von außen nicht einsehbar; Wachteln werden unter künstlichem UV-Licht gehalten, damit die Legeleistung das ganze Jahr konstant bleibt (unter natürlichen Umständen würde der Körper der Tiere über den Winter eine Legepause zur Regeneration einlegen, diese wird den Tieren in der Produktion nicht gegönnt). Doch hinter den verklebten Fenstern trägt sich Grauenhaftes zu, wie auch die jüngsten bekannt gewordenen Bilder von Tierschützern zeigen. Viel zu eng zusammengepfercht in Käfigen, mit Bodengeflecht statt Scharrfläche, tote Tiere liegen zwischen ihren Artgenossen, viele Tiere sind verletzt und haben keine Federn mehr.
Die Zustände sind schrecklich, aber möglich – denn es gibt keine konkrete Haltungsverordnung für Wachteln.
Hobbyzüchter empfehlen für Wachteln eine Volierenhöhe von 1,80 m; denn Wachteln fliegen gerne nahezu senkrecht auf. Versuchen sie das in den engen Käfigen der Legebatterie, reißen sie sich Federn aus oder brechen sich gleich das Genick. Hinzu kommt, dass auch die Kennzeichnungspflicht des Eierstempels für Hühnereier bei Wachteln nicht gilt. Daher hat die Herkunftsbezeichnung auf den Eierpackungen meist nicht viel mit der tatsächlichen Haltungsform zu tun: Etwa 90% aller Legewachteln leben in Käfigen. Auf den Werbeetiketten und Eierkartons wird dies geflissentlich ignoriert, stattessen sollen Bilder von glücklichen Tieren auf der Wiese ein gutes Kaufgefühl hervorrufen. Als die Bilder der aktuellen Recherchen bekannt wurden, legten mehrere Supermarktketten ihre Geschäftsbeziehungen mit den Eierproduzenten still, mindestens einer von ihnen stellte daraufhin seinen Betrieb ein. Doch dies ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein.
Was den Wachteln viel mehr helfen würde, wäre eine größere Aufmerksamkeit für das Thema bei den Konsumenten. So kann die Forderung nach eindeutigen Haltungsvorschriften untermauert werden, vielleicht wird irgendwann auch die Kennzeichnungspflicht des Eierstempels übernommen. Diese hat dafür gesorgt, dass die Zahl der Hühnereier aus Käfighaltung von einst über 90% auf unter 7% gesunken ist (diese ist zudem mittlerweile verboten und nur noch in einzelnen Fällen in der sogenannten Kleingruppenhaltung bis zum Auslaufen der Übergangsfrist noch gestattet). Der einfachste Weg, das Leid nicht zu unterstützen, ist jedoch jetzt schon: Hände weg vom Wachtel-Ei.