Zahnfehlstellungen beim Hund
Ab zum Hundezahnarzt?
Meist handelt es sich jedoch um ererbte Fehlanlagen. Diese können mannigfaltiger Natur sein. Am häufigsten sehen Tierärzte Milchzähne, die in der Mundhöhle stehen bleiben, obwohl sie eigentlich von selbst beim Zahnwechsel ausfallen sollten. Verbleiben sie im Maul, drücken sie auf die nachwachsenden Zähne und beschädigen diese hierdurch. Durch den zusätzlichen Platz, den diese Milchzähne benötigen, sorgen sie außerdem dafür, dass die anderen Zähne in Richtungen wachsen, in die sie sich eigentlich nicht bewegen sollten. In der Konsequenz kann dies zu Schäden am Gaumen oder der Backenschleimhaut führen. Nämlich dann, wenn der verdrängte Zahn aufgrund seiner Wuchsrichtung sich irgendwo hineinbohrt, wo er eigentlich nicht hingehört. Letzten Endes entwickeln sich hieraus Entzündungen, die sehr schmerzhaft sind. Das Tier wird aufgrund des Dauerschmerzes unleidig oder gar aggressiv, was nur allzu verständlich ist.
Doch dies alles muss nicht sein. Die Tiermedizin ist heute im Bereich der Zahnheilkunde weit entwickelt. Es gibt nahezu flächendeckend in Deutschland niedergelassene Fachtierärzte für Zahnheilkunde. Sie können bei jedweder Fehlstellung helfen. Mit Abstand am häufigsten leiden unsere Vierbeiner an den sogenannten persistierenden Canini. Es handelt sich hierbei um die Eckzähne, fälschlicherweise oft Reißzähne genannt. Der Milchzahn steht bei dieser Fehlentwicklung direkt hinter dem bleibenden Zahn, dicht an dicht. In dieser Situation gilt es, den Milchzahn zu entfernen. Nur so hat der bleibende Zahn eine Chance, sich gut zu entwickeln und in die korrekte Richtung zu wachsen. Hat die Doppelstellung bereits dazu geführt, dass sich echte Fehlstellungen entwickelt haben, muss tiefer in die Trickkiste gegriffen werden: Elastische Kunststoffketten, Dehnschrauben oder auch echte Spangen mit Gleitschienen können hier nach Entfernung der Milchzähne zum Einsatz kommen, um die Lage der Zähne zu korrigieren. Auch wenn es schwer vorstellbar ist, Hunde gewöhnen sich problemlos an die Konstrukte in ihrem Maul. Auch fressen können sie wie gewohnt. Nur mit Spielzeugen und Kauartikeln sollte in dieser Phase vorsichtig umgegangen werden.
Leider ist es bei unseren Vierbeinern allerdings so, dass sie im Gegensatz zum Menschen für die meisten kieferchirurgischen Eingriffe in Narkose gelegt werden müssen. Das macht die Behandlung sehr aufwändig und kostenintensiv. Da es sich in aller Regel um ererbte Defekte handelt, sollte mit betroffenen Tieren keinesfalls weiter gezüchtet werden. Natürlich auch dann nicht, wenn durch kieferorthopädische Maßnahmen das Problem behoben wurde. Denn die Erbanlage zum Defekt trägt das Tier ja immer noch in sich und würde es bei Nachzucht an seine Erben weitergeben.
Will man als Tierbesitzer wissen, ob bei dem Gebiss des eigenen Hundes alles in Ordnung ist, sollte man versuchen folgende Punkte zu beurteilen:
Die sechs Oberkieferschneidezähne liegen unmittelbar vor den sechs Unterkieferschneidezähnen.
Die Spitze der Eckzähne unten ist nach außen gerichtet und passt beim geschlossenen Kiefer in die Lücke zwischen äußerem Schneidezahn und Eckzahn des Oberkiefers, ohne diese zu berühren.
Die Zähne im Bereich der Backen von Ober- und Unterkiefer stehen versetzt zueinander, so dass sie sich beim Schließen des Fanges nicht behindern.