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Keine Pelzfarm mehr in Deutschland!
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Keine Pelzfarm mehr in Deutschland!

Jahrelanger Kampf gegen Pelz

Letzte Pelzfarm in Deutschland. Foto: Jan Peifer
Für viele Tierfreunde war dies eine der besten Meldungen des Jahres: Die letzte deutsche Nerzfarm ist seit dem Frühjahr nicht mehr in Betrieb. Noch im Januar hatten Tierschützer die Haltungsbedingungen auf dem Gelände mit Drohnen dokumentiert. Bis vor wenigen Monaten lebten auf der Farm im Nordrhein-Westfälischen Rahden schätzungsweise 4.000- 5.000 Tiere in engen Käfigen. Die Anlage machte einen heruntergekommenen Eindruck.
Ein Bericht von Jan Peifer

Der Betreiber der Pelztierfarm hatte dank einer Ausnahmegenehmigung die Erlaubnis, noch bis 2022 Nerze zu züchten und zu halten. Alle anderen großen wie kleinen Farmen in Deutschland hatten in den Jahren zuvor ihren Betrieb eingestellt. Darunter waren die letzten beiden großen Nerzfarmen in MecklenburgVorpommern mit je ca. 35.000-40.000 Nerzen sowie zwei weitere in Sachsen mit ca. 12.000 und 4.000 Tieren oder die letzte Farm in Brandenburg mit bis zu 16.000 Nerzen. Zu dieser Entwicklung hatte eine Verschärfung der Haltungsbedingungen seit 2006 geführt.

Nerze durften danach nur unter deutlich schwerer zu erfüllenden Voraussetzungen gehalten werden. So hätten unter anderem schrittweise die Käfige erheblich vergrößert sowie Zugang zu Wasser geschaffen werden müssen. Viele Nerzfarmer sahen sich daher hauptsächlich aus finanziellen Gründen gezwungen, ihre Betriebe zu schließen.

Weil die Verschärfung der Haltungsbedingungen einem Berufsverbot gleichkäme, hatte der Verband der Nerzfarmer gegen die neue Haltungsvorschrift geklagt.

Mittlerweile hat der Zentralverband der Pelztierzüchter sein Telefon abgemeldet, die Internetseite ist nicht mehr erreichbar. Auch wenn die Pelzlobby noch immer versucht, das Produkt Pelz als zeitgemäß und zukunftsfähig zu bewerben – die Entwicklung spricht eine andere Sprache. Hierzu passt auch, dass sich in Umfragen mehr als 90 Prozent der Befragten gegen Zucht und Tötung von Pelztieren aussprechen. Dies registrieren auch Modefirmen, und zur großen Freude vieler Tierschützer verbannen immer mehr große Label und Designer Pelz völlig aus ihrem Programm. Damit befindet sich Deutschland in guter Gesellschaft.

In der Schweiz und in Österreich gibt es längst keine Pelzfarmen mehr, die Niederlande waren Mitte der 90er Jahre eines der ersten Länder auf dem schrittweisen Weg der Ausmerzung der Pelzindustrie, und auch in Großbritannien findet sich keine Pelztierfarm mehr.

Drohnen-Aufnahmen zeigten erstmalig die Ställe der letzten Pelzfarm Deutschlands von oben. Foto: Jan Peifer
Gitterböden können nicht artgerecht sein. Foto: Jan Peifer
In engen Käfigen haben die Tiere leben müssen. Foto: Jan Peifer
In engen Käfigen haben die Tiere leben müssen. Foto: Jan Peifer
Endlich: Die Käfige der letzten Pelzfarm in Deutschland sind leer. Foto: Jan Peifer
Endlich: Die Käfige der letzten Pelzfarm in Deutschland sind leer. Foto: Jan Peifer

Doch bei aller positiven Entwicklung bleibt es ein Wermutstropfen.

Die Pelztierzucht ist in Europa allgemein rückläufig, nur in Skandinavien ist sie nach wie vor etabliert (auch die letzten Nerze der Farm in Rahden wurden wohl nach Finnland verkauft). Schlimmer ist jedoch, dass auch aus asiatischen Ländern Pelze oft unbekannter Herkunft und Produktion auf den Markt kommen. Tierschutzgesetze gibt es in einigen dieser Länder nicht oder nur rudimentär, Vorschriften für die Haltung von Pelztieren existieren meist gar nicht. Tiere auf Pelztierfarmen erfahren grausamstes Leid, selbst für das Töten gibt es vielerorts keinerlei Vorschriften. So werden sie erschlagen, vergast, mit Stromschlägen getötet oder auf andere bestialische Weise umgebracht.

Auch Deklarationspflichten für Pelzbestandteile werden – wenn sie überhaupt bestehen – oft ignoriert, oder es werden bewusst Bezeichnungen gefälscht. Auf diese Weise gelangen solche Produkte trotz Einfuhrverbot auch zu uns. Es ist nicht unüblich, dass sich ein vermeintlicher Kunstpelz bei der Laborüberprüfung als Fell von Fuchs, Katze oder Marderhund entpuppt, denn ein guter Kunstpelz ist in der Herstellung teurer als ein echter Tierpelz.

Wer daher ganz sicher sein möchte, die Pelztierzucht und die grausame Pelzproduktion nicht zu unterstützen, sollte auch bei Kunstpelz z.B. an Wintermützen und Schuhen entweder sehr genau hinsehen oder lieber zu einer Alternative greifen.