Schweinehochhaus seit einem Jahr leer
Kein Quietschen mehr im Hochhaus
Mit zwei Aufzügen konnten die Tiere zwischen den Etagen hin- und hergefahren werden – was einst als technischer Fortschritt und Symbol gesteigerter Effizienz galt, war einer der größten Kritikpunkte vieler Tierschützer und auch GrünenPolitiker im Landtag. Denn im Falle eines Feuers hätte das Gebäude nicht evakuiert werden können. Tierschützer hatten seit Jahren die Zustände dokumentiert und angeprangert. Mehrere hundert Stunden Videomaterial wurden in verdeckten Recherchen erstellt, die einen grausamen Umgang mit den Tieren offenbarten.
Die Schweine mussten in zu engen Kastenständen stehen, in denen sie sich nicht einmal umdrehen oder vernünftig hinlegen konnten. Deutlich war auch zu sehen: Tiere wurden getreten und geschlagen, am Schlimmsten waren die Missstände für die Ferkel. Immer wieder wurden Jungtiere brutal erschlagen und im Abfall entsorgt. Die Bilder sorgten für Entsetzen und Ungläubigkeit bei den Zuschauern. Eine Petition der Tierschützer wurde nach Ausstrahlung durch einen Fernsehsender fast 300.000 Mal unterzeichnet.
Viele hundert Menschen beteiligten sich an großen Demonstrationen vor dem Gebäude und forderten die Schließung des Schweinehochhauses. Und auch die Staatsanwaltschaft wurde aktiv. Eine erste Anzeige der Aktivisten wegen der unzureichenden Haltungsbedingungen wurde eingestellt, nachdem diese angeblich verbessert worden waren. Als die neuen Videoaufnahmen zwei Jahre später veröffentlicht wurden, schaltete sich die Landesagrarministerin ein und kritisierte die Haltungsbedingungen massiv.
Bei erneuten Kontrollen wurden daraufhin Mängel bei der Hygiene, bei der Dokumentation, in den Haltungsbedingungen allgemein und Verstöße im Umgang mit kranken oder verletzten Tieren festgestellt. Ermittlungen gegen den niederländischen Betreiber und seine Mitarbeiter wegen des Verdachts auf Verstöße gegen das Tierschutzgesetz wurden endlich eingeleitet. Seitdem ist es ruhig geworden um das Schweinehochhaus.
Im Frühjahr 2018 war begonnen worden, die Anlage zu räumen.
Ende des Jahres schließlich stand das Gebäude leer. Angeblich sollte es modernisiert und tierschutzkonform umgerüstet werden. Hierzu allerdings müsste die gesamte technische Ausstattung inklusive Fahrstühle, Beleuchtung und Belüftung renoviert werden, der Aufwand wäre also sehr hoch. Hinzukommt, dass das Schweinehochhaus nicht die einzige Baustelle des Betreibers ist. Der niederländische Geschäftsführer leitet ein weiteres Unternehmen mit Sitz in Ahaus, welches sich auch auf die Schweinezucht spezialisiert hat. Mit diesem Unternehmen kooperierten die Universität Bonn und die Hochschule Bonn-RheinSieg im Rahmen eines Projektes zur Entwicklung neuer Schweinezuchtlinien. Gefördert wurde dieses Vorhaben von der Europäischen Kommission und dem Europäischen Landwirtschaftsfond sowie dem Land Nordrhein-Westfalen. Beide Hochschulen aber stellten die Kooperation im Herbst 2018 ein, nachdem sich die Vorwürfe gegen den Niederländer verdichteten. Zwar hatte dieser angekündigt, das Schweinehochhaus mit verkleinertem Tierbestand wieder in Stand zu setzen, doch steht es mittlerweile seit einem Jahr leer. Wie es nun mit der ehemaligen Vorzeigeanlage weitergeht, ist ungewiss. Sollten aber erneut Tiere eingestallt werden, haben Tierschützer bereits weitere Proteste, Aktionen und Demonstrationen angekündigt.