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Der Maiwurm
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Der Maiwurm

Insekt des Jahres 2020

Die komplizierte Entwicklung ist nicht die einzige Besonderheit beim Maiwurm. Foto: © Ursula Bauer
Dieses außergewöhnliche Insekt mit der lateinischen Bezeichnung Meloe proscarabaeus hat viele deutsche Namen, die sich alle auf bestimmte Eigenschaften beziehen. ’Maiwurm‘ heißt der Käfer wegen seiner unförmigen Gestalt und der Jahreszeit, in der man ihn mit viel Glück zu Gesicht bekommt.
Ein Bericht von Ursula Bauer,
Geschäftsstelle aktion tier Berlin

Denn im Frühsommer ist das Weibchen mit dem Legen von unglaublichen 4.000-10.000 Eiern sehr beschäftigt. Sein Hinterleib ist dann zum Platzen aufgebläht, bevor es die Eier zur mehreren in der Erde vergräbt. Deren Entwicklung zur Larve dauert dann ein ganzes Jahr, so dass erst im darauffolgenden Frühjahr die Winzlinge an die Oberfläche kriechen und auf eine Blüte klettern. Hier warten sie geduldig, bis ein Besucher vorbeikommt. Ob Schwebfliege, Wespe, Honigbiene oder ein anderer Käfer. Die Ölkäfer-Larven heften sich an so ziemlich alles an. Aber nur eine solitär lebende Wildbiene, die im Boden nistet, sichert ihnen das Überleben.

Gefährlicher „blinder Passagier“

Ein echter Glücksfall ist eine Erd- oder Sandbiene der Gattung Andrena. Schafft es die Maiwurm-Larve, sich an einem Exemplar festzuklammern, landet sie in einem bis zu 60 cm tiefen, mehrfach verzweigten Nistgang im Boden. Am Ende jedes Ganges hat die Sandbiene eine Brutzelle angelegt, mit Pollen und Nektar gefüllt und darauf jeweils ein Ei gesetzt. Ölkäferlarven sind Brutparasiten. Sind sie mit der Biene in einer Brutzelle gelandet, machen sie sich über das Ei und die süße Nährlösung her. Sie wachsen und gedeihen prächtig, häuten sich mehrmals und verpuppen sich schließlich im Herbst. Den Winter verbringen die Puppen weiterhin im Boden.

Der erwachsene Käfer ernährt sich rein vegetarisch zum Beispiel von Blüten und Blättern. © Ursula Bauer
Man findet den Maiwurm unter anderem in sandigen, trocken-warmen Offenlandbiotopen. © Ursula Bauer

Hände weg!

Die komplizierte Entwicklung ist nicht die einzige Besonderheit beim Maiwurm. Er produziert auch ein Sekret, welches das starke Reizgift Cantharidin enthält. Bei Gefahr kann er es durch Poren in den Kniekehlen pressen. Die hervortretenden ölglänzenden Tröpfchen führten zum Namen Ölkäfer. Das Gift soll den Maiwurm gegen natürliche Feinde wie Laufkäfer schützen, und sogar in den Eiern finden sich winzige Menge davon. Erstaunlicherweise sind einige Fressfeinde wie Igel und Vögel gegen das Cantharidin immun. Auf Menschen wirkt es jedoch schon in kleinen Dosen stark giftig und erzeugt unter anderem Blasen auf der Haut, was dem Maiwurm auch den Namen Blasenkäfer eingebracht hat. Dass ein verzehrter Käfer zum Tode führen kann, machten sich zum Beispiel die antiken Griechen für Hinrichtungen zu Nutze. Mörder fanden ebenfalls Gefallen an diesem schwer nachzuweisenden „Tatwerkzeug“. Auch in der Medizin wurde früher mit dem ÖlkäferGift mehr oder weniger erfolgreich herumexperimentiert. Zum Beispiel, indem zermatschte Tiere als Paste aufgelegt wurden (=Pflasterkäfer).

Gefährdung und Schutz

Meloe proscarabaeus ist in ganz Europa bis Asien und Nordafrika verbreitet, aber nicht häufig anzutreffen, was an der sehr speziellen Entwicklung liegen mag. Hinzu kommt der Verlust von geeigneten Lebensräumen wie Magerrasen, trocken-warmen Ruderalflächen und Brachen sowie stillgelegte Sandgruben. Auch der Straßenverkehr ist für den Rückgang der Art verantwortlich. Denn der bis zu 4 cm große Schwarzblaue Ölkäfer ist recht langsam unterwegs und nicht in der Lage, mit seinen rückgebildeten Stummelflügeln zu fliegen. In der Konsequenz wird er in Deutschland auf der Roten Liste als gefährdet eingestuft.