left 
Die komplizierte Bestäubung von Feigen
reload
arrow_down

Die komplizierte Bestäubung von Feigen

Essfeigen, so wie wir sie aus dem Supermarkt oder vom Gemüsehändler kennen. Foto: Alexandra Pfitzmann
Feigen haben nach innen gekehrte Blüten, die es Insekten nicht möglich machen, direkt auf ihnen zu landen. Sie müssen stattdessen in die Blüte hineinkriechen, was nur die 2-3 Millimeter kleine Feigenwespe kann.
Ein Bericht von Alexandra Pfitzmann

Ihr Lebenskreislauf fordert dabei viele Opfer. Denn die Blüten der Bocksfeige, die im Gegensatz zur Essfeige weibliche und männliche Blüten hat, ist die Kinderstube der Feigenwespen. Sobald aus den dort abgelegten Eiern Larven schlüpfen und diese ausgewachsen sind, werden die Weibchen von den Männchen begattet, die danach sterben.

Die Weibchen fliegen los, um wiederum ihre Eier auch in eine Blüte abzulegen und nehmen dabei die Pollen der männlichen Bocksfeige mit. Zwischen Essund Bocksfeige kann die kleine Wespe aber nicht unterscheiden. Wenn sie beim Legeversuch eine Essfeige erwischt, bekommt die Wespe ein Problem. Denn die Hohlkugel der Essfeige ist zu eng. Beim Versuch hindurchzukriechen, verliert sie ihre Flügel, manchmal auch Antennen und Beine, bleibt schlussendlich stecken und stirbt. Die Blüte der Essfeige ist aber bestäubt und kann eine Frucht ausbilden. Der Körper der toten Wespe wird von den Pflanzenenzymen verdaut.

Feigensorten wie Dauphine, Dalmatie oder Negronne sind selbstbefruchtend. Wer also im eigenen Garten einen Feigenbaum pflanzen möchte, sollte eines dieser Sorten wählen (zumal die Feigenwespe in unseren Breitengraden nicht vorkommt). Die meisten Feigen, die im Supermarkt erhältlich sind, stammen von der Echten Feige (Ficus carica), womit der oben beschriebene Bestäubungsvorgang zutrifft.