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Wenn’s nimmer läuft – Arthrose beim Haustier
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Wenn’s nimmer läuft – Arthrose beim Haustier

Aus der Tiermedizin

Foto: © Oliver Jupe
Der eigentliche Ursprung einer Arthrose ist oft kein großes Ding. Die plötzliche Lahmheit nach wildem Spiel, einhergehend mit einem zunächst unbedeutenden Bänderanriss oder eine kleine Knochenabsplitterung. Das Gelenk wird instabil, die Biomechanik verändert sich, wenn auch nur ein bisschen. Doch leider reicht das unter Umständen schon. Während der Besitzer das kleine Unglück längst vergessen hat, nimmt das Unheil seinen Lauf.
Ein Bericht von Dr. Tina Hölscher,
Tierärztin bei aktion tier – menschen für tiere e.V.

Der Knorpel, der die beteiligten Knochen überzieht, wird über die Zeit an den Stellen abgerieben, die durch die abnorme Flexibilität zu stark belastet sind. Der Körper versucht die entstehenden Defekte selbst zu heilen. Er bildet neue Knorpelmasse. Diese entspricht in Zusammensetzung und Form nicht dem ursprünglichen Knorpel. Es kommt zu Zubildungen, die dem Tier Schmerzen bereiten und zur Lahmheit führen. Auf dem Röntgenbild erkennt der Tierarzt kleine Knorpelauftreibungen, die an die jeweilige Stelle nicht hingehören. Oft ist das Gelenk etwas verdickt, da der Körper beim Versuch der Selbstheilung vermehrt Gelenkflüssigkeit produziert. Die Diagnose: Arthrose!

Auch angeborene oder erworbene Fehlstellungen, Entwicklungsstörungen, Überbelastung, Alterserscheinungen und Autoimmunkrankheiten sowie einige Infektionskrankheiten können Arthrosen verursachen.

Es gibt Hunde- und Katzenrassen, die für gewisse Erbkrankheiten bekannt sind. Man denke an die Hüftgelenksdysplasie beim Schäferhund. Hier passen Oberschenkelkopf und Hüftgelenkspfanne nicht optimal zusammen. Der Kopf sitzt zu locker in der Pfanne. Diese mangelnde Kongruenz ist häufig genetisch bedingt. Durch die andauernde mechanische Belastung wird die dünne Knorpelschicht des Hüftgelenks abgenutzt. Es kommt zu den oben erwähnten Reparaturprozessen und Zubildungen. Große und gleichzeitig schwere Rassen sind besonders häufig betroffen. Zu den bekanntesten Arthrosen gehören die Coxarthrose (Hüftgelenksdysplasie), Gonarthrose (Kniegelenksarthrose) und die Spondylose (Arthrose der kleinen Gelenke der Wirbelsäule).

Dem Besitzer fällt zunächst nur auf, dass das Tier nach längeren Ruhephasen aufsteht und etwas hinkt oder unrund läuft. Doch dies legt sich nach kurzer Zeit, dann läuft das Sorgenkind wieder normal, und der Besitzer beruhigt sich zunächst. Doch diese Auffälligkeit nimmt zu. Sowohl in der Häufigkeit als auch in der Ausprägung. Es dauert immer länger, bis die Lahmheit verschwindet. Erst bei ausgeprägten Arthrosen bleibt der unregelmäßige oder auch klamme Gang dauerhaft erhalten. Das Problem hierbei: Das Tier wird immer bewegungsunlustiger. Durch das ständige Schonen baut die Muskulatur ab. Die Gelenke werden noch instabiler, weil das Muskelgerüst schwächer wird. Ein Teufelskreis ist im Gang.

Gonarthrose II. Bild: Dr. Tina Hölscher
Hüftgelenksdysplasie. Bild: Dr. Tina Hölscher

Die Therapie hängt von der Ursache ab.

Die zu Eingang geschilderten Traumata müssen manchmal operiert werden, und wenn dann möglichst bald, bevor sich Schäden am Gelenk entwickeln. Wir sprechen hier von Tagen oder wenigen Wochen nach dem ursächlichen Ereignis. Nur dann kann die Arthrose im Alter verhindert werden. Multiple Arthrosen in mehreren Gelenken des Körpers werden mit Medikamenten behandelt. Früher war das ein Problem, weil die Arzneimittel häufig starke Nebenwirkungen hatten. Heute gibt es besser verträgliche Präparate auf dem Markt, so dass auch eine Langzeitmedikation möglich ist. Leider langen hier die Pharmaunternehmen ordentlich hin.

Je größer und schwerer das Tier, desto teurer die Therapie. Mittlerweile gibt es sowohl für Hunde als auch für Katzen Monatsspritzen, die die Weiterleitung des Schmerzes zum Gehirn reduzieren. Dies ist vor allem für Katzenliebhaber interessant, da Samtpfoten ansonsten oft erfolgreich jede Medikamenteneinnahme über das Maul verweigern. Muskelaufbautraining im Sinne von Physiotherapie kann eine sinnvolle Ergänzung sein. Außerdem gibt es Futterzusatzstoffe und besondere Diätfuttermittel, die versuchen, Arthrosen vorzubeugen bzw. deren Fortschreiten zu verlangsamen. Als alternative Methode kann Akupunktur eingesetzt werden. Übergewicht begünstigt die Ausbildung von Arthrosen. Dicke Vierbeiner, die zur Arthrose neigen, müssen abnehmen. Heilen kann man eine manifeste Arthrose nicht. Es kann lediglich die Verschlechterung verlangsamt und die Lebensqualität des betroffenen Tieres verbessert werden.

Tierbesitzer sollten sich stets bewusst sein: Ihre Lieblinge tolerieren ihre Gebrechen stumm und sind teilweise sehr leidensfähig. Jede Lahmheit ist ein eindeutiges Zeichen dafür, dass das Haustier Schmerzen hat! Eine Lahmheit ohne Schmerz gibt es nicht. Will der Hund nicht mehr Gassi gehen oder springt die Katze nicht mehr auf ihren Lieblingsplatz hinauf, ist das ein sicheres Anzeichen für einen schmerzhaften Prozess. Der Besuch beim Tierarzt sollte folglich so bald als möglich nach Auftreten der Symptome erfolgen.

Prophylaktisch sollten Jungtiere nicht zu energiereich gefüttert werden. Erhalten sie von Beginn an gehaltvolles Futter, wachsen sie schneller, als von der Natur vorgesehen ist. Die Folge sind mangelhaft mineralisierte Knochen, was wiederum Skeletterkrankungen begünstigt. Speziell auf das Welpenalter abgestimmtes Futter gewährleistet eine altersgerechte Knochenentwicklung. Besonders großwüchsige Tiere sollten wohl dosiert bewegt werden. Langes Springen im Spiel auf den Hinterbeinen ist zu unterbinden. Auf ausgedehnte Fahrradtouren verzichtet man besser, solange das Tier nicht ausgewachsen ist.