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Eine zweite Chance für Tiere
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Eine zweite Chance für Tiere

Mit Herz und Verantwortung

In den Tierheimen warten viele Tiere auf ein neues Zuhause. Bild: © Jan Peifer
Viele Menschen haben in der Coronazeit ihre Tierliebe (neu) entdeckt und sich ein Haustier angeschafft. Haustiere übernehmen viele Funktionen: Sie können Partnerersatz und Spielkamerad sein, werden als Hobby betrachtet oder auch als Motivation für den täglichen Spaziergang. Mit der Rückkehr zum normalen gesellschaftlichen Leben zeigt sich aber, dass Zeit, Aufwand und vielleicht auch Kosten, die ein Tier braucht bzw. mit sich bringt, oft unterschätzt wurden. Tierheime berichten von steigenden Zahlen an Abgabetieren, einige können schon keine weiteren Neuzugänge mehr aufnehmen.
Ein Bericht von Jan Peifer

So gab es im Corona-Jahr 2020 eine Zunahme von mehr als 600.000 Hunden, die in Deutschland gehalten wurden, wie Tierschutzverbände berichten. Insgesamt legten sich deutsche Haushalte rund eine Million Haustiere zu. Laut einer Umfrage eines Meinungsforschungsinstituts bereuen rund 20% der Menschen ihre Entscheidung, während der Pandemiezeit ein Haustier angeschafft zu haben. Immerhin bedeutet diese Zahl auch, dass der Großteil der neuen Tierhalter mit ihrem tierischen Mitbewohner hoffentlich verantwortungsvoll umgehen, da dieser weiterhin willkommen ist. Gleichzeitig nutzen viele Tierheime die Chance, auf ihre Tiere aufmerksam zu machen.

Grundsätzlich sollten vor der Anschaffung eines tierischen Mitbewohners wichtige Fragen geklärt werden.

  • Passt ein Tier zu meiner momentanen Situation?
  • Kann ich seinen Anforderungen gerecht werden?
  • Möchte ich wirklich bei Wind und Wetter mit dem Hund spazieren gehen?
  • Ist die Versorgung auch dann sichergestellt, wenn ich in den Urlaub fahre bzw. kann und möchte ich das Tier immer mitnehmen?
  • Kann ich mir den Unterhalt überhaupt leisten?
Auch schon ältere Hunde haben ein liebevolles Zuhause verdient. Bild: © Jan Peifer

Und was ist, wenn das Tier eine medizinische Behandlung braucht?

Viele Haustiere können durchaus ein stolzes Alter erreichen. Schildkröten können mehrere Jahrzehnte alt werden, Katzen bis etwa 20 Jahre, die meisten Hunde etwa 10 bis 15 Jahre.

Die Anschaffung eines Tieres sollte also reiflich überlegt werden. Ist die Entscheidung dann gefallen, ist für viele Menschen der nächste Schritt der Gang zum Züchter. Dabei werden hier die Tiere je nach Nachfrage gezüchtet; gleichzeitig warten jedoch unzählige Tiere der verschiedensten Arten auf ein neues Zuhause. Die örtlichen Tierheime und Tierschutzvereine sind auf jeden Fall immer eine gute Anlaufstelle. Sie sind spezialisiert auf die Vermittlung von Tieren, die z.B. aus schlechten Haltungen gerettet wurden, deren Besitzer verstorben sind oder die Tiere meist schweren Herzens abgegeben wurden oder auch von Fundtieren, die von ihren ursprünglichen Haltern nicht mehr gewollt und ausgesetzt wurden.

Tierheime sind allerdings nicht die einzigen Stellen, an denen Tiere auf eine zweite Chance hoffen. Dazu gehören vor allem auch Tiere, die bereits zu einem anderen Zweck gehalten wurden.

So etwa Hühner, deren Legeleistung nachlässt und die für die Inhaber von Eierbetrieben nicht mehr lukrativ sind. Die kleinen Körper der auf Hochleistung gezüchteten Hennen sind nach wenigen Jahren komplett ausgelaugt, daher werden sie von Tierschutzvereinen übernommen und bis zur Vermittlung gepflegt, bevor sie von den Haltern aus Kostengründen als Suppenhühner vermarktet werden. Wer also mit dem Gedanken spielt, Hühner im eigenen Garten zu halten, kann so ehemaligen Legehühnern einen schönen und hoffentlich langen Lebensabend bescheren.

Beagle, die eine Zeit im Labor als Versuchstiere gelebt haben, haben eine zweite Chance verdient. Bild: © Jan Peifer

Auch Versuchstiere freuen sich über eine neue Bleibe, wenn sie eine gewisse Zeit im Labor überstanden haben. Besonders Beagle fallen in diese Kategorie, da sie sehr gutmütige und freundliche Hunde sind, die vieles erdulden und über sich ergehen lassen. Außerdem sind sie sehr robust und können als Meute-Hunde gut in Gruppen gehalten werden. Sie brauchen nach einer Vermittlung viel Aufmerksamkeit und Zuwendung, da sie in ihrem bisherigen Leben in der Regel nur den tristen Laboralltag kennengelernt haben und z.B. weder Geschirr noch Freigang kennen. Auch sind sie in der Regel noch nicht stubenrein. Dennoch sind sie trotz der unschönen Erfahrungen nicht nachtragend, und umso größer ist ihre Freude, zum ersten Mal mit ihrem neuen Besitzer die freie Natur zu erkunden.

Ausrangierte Hühner aus Legebatterien freuen sich über ihre Freiheit. Bild: © Jan Peifer
Bild: © Jan Peifer