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Tierschutz hautnah
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Tierschutz hautnah

aktion tier Tierheim Zossen, Brandenburg

Im Futterhaus wurde für die Kaninchen und Meerschweinchen eine Mahlzeit zusammengestellt. Foto: aktion tier, Ursula Bauer
Im vergangenen November kamen uns zehn Schüler der Fritz-KarsenSchule in Berlin Britz mit einem Lehrer und einer Lehrerin im Tierheim Zossen besuchen. In der Gemeinschaftsschule findet jedes Jahr nach den Herbstferien eine Projektwoche statt, im Rahmen derer verschiedene Themen angeboten werden. Tierschutz war in diesem Jahr eines davon, und unsere jungen Besucher hatten sich, unabhängig von Alter und Klassenzugehörigkeit, dafür eingetragen. Neben anderen Aktivitäten stand an diesem Tag ein Tierheimbesuch auf dem Programm, und die acht bis fünfzehnjährigen Schüler kamen mit ganz unterschiedlichen Erwartungen bei uns an. Tiere anschauen und möglichst auch anfassen wollte jedoch jeder, so dass wir nach einer kurzen Einführung gleich mit einer Führung durch unser Tierheim starteten.
Ein Bericht von Ann Kari Sieme, aktion tier-Geschäftsstelle Berlin

Im Kleintierhaus erfuhren die Kinder eine Menge über Kaninchen. So unterhielten wir uns darüber, warum wir die Käfighaltung grundsätzlich ablehnen und auch eine Einzelhaltung von Gruppentieren wie Meerschweinchen und Kaninchen für uns nicht in Frage kommt. Um ein Tier aus unserem Tierheim adoptieren zu können, müssen Interessenten nachweisen, dass sie eine artgerechte Haltung gewährleisten können. Die Schüler konnten sich unsere Haltung anschauen und in der Futterküche erfahren, wie eine artgerechte Ernährung für Kaninchen aussieht. Das knackige Gemüse und die frischen Kräuter und Salate luden auch den einen oder anderen Besucher zum Probieren ein, und wir erklärten, warum unsere Kaninchen genau dieses Futter und keine Fertigkörnermischungen aus dem Zoofachhandel bekommen.

Die Katzen erhielten von den Kindern viel Aufmerksamkeit. Foto: aktion tier, Ursula Bauer
Dass Kaninchen nicht alleine gehalten werden sollen, wurde am Außengehege erklärt. Foto: aktion tier, Ursula Bauer
Auch die Kleintiergehege innen wurden genau inspiziert. Foto: aktion tier, Ursula Bauer

Aufklärung über Hundehaltung

Weiter ging es dann bei den Hunden. Wir besuchten jeden einzelnen unserer Schützlinge, und den Schülern wurde erklärt, wer warum bei uns im Tierheim ist. Schlechte Sozialisierung mit Menschen und Umweltreizen oder eine katastrophale Haltung, zum Beispiel in einem reizarmen Zwinger oder an der Kette (seit 1.1.2023 ohnehin verboten), führen oft zu Verhaltensauffälligkeiten, die Interessenten abschrecken und die Hunde schwer vermittelbar machen. Aber nicht nur Verhaltensauffälligkeiten und Beißvorfälle sind Gründe, warum Hunde zu uns ins Tierheim kommen. Wir erhalten auch immer wieder Aufnahme-Anfragen für Hunde, die wenig bis keine Auffälligkeiten mitbringen, bei denen die Besitzer aber merken, dass sie mit der Haltung des Tieres überfordert sind. Damit zukünftig weniger Hunde im Tierheim landen, erörterten wir also mit den Kindern zusammen, was die Grundbedürfnisse eines Hundes sind, was man sich VOR der Anschaffung überlegen sollte und wie teuer die Hundehaltung werden kann.

Am Beispiel einer Französischen Bulldogge informierten wir die tierschutzinteressierten Schüler dann über die sehr ernsten gesundheitlichen Probleme, mit denen diese nur auf Optik gezüchteten Hunde kämpfen müssen. Der verschmuste Rüde, der von allen Kindern geknuddelt wurde, leidet unter starker und dauerhafter Atemnot, ist ein Futtermittelallergiker und leider auch im Körperbau so überzüchtet, dass er bereits kurz nach seinem ersten Geburtstag seinen ersten Bandscheibenvorfall hatte. Des Weiteren hat er Probleme mit den Knien, die zeitnah für viel Geld operiert werden müssen. Nach dem Besuch bei den Hunden folgte eine kurze Frühstückspause, damit die Schüler die ersten Eindrücke verarbeiten und sich wieder etwas stärken konnten.

Da wir nicht nur Abgabehunde und Hunde aus behördlichen Beschlagnahmungen bei uns versorgen, war auch der Mikrochip ein Thema, was besprochen wurde. Dieser kleine Transponder, der in der linken Halsseite des Tieres implantiert wird, ermöglicht es uns ein Fundtier schnell wieder zu seinem Besitzer zurückzuführen. Damit dies funktioniert, muss der Hund aber nicht nur gechippt, sondern auch registriert sein. Also zeigten wir unseren Besuchern wie so ein Mikrochip aussieht und klärten darüber auf wo man diesen registrieren lassen kann.

Die Kinder haben alles über Mikrochips zur Kennzeichnung von Tieren gelernt.Bild: aktion tier, Ursula Bauer
Ann Kari Sieme von aktion tier kümmert sich regelmäßig um Kinderbesuch im Tierheim. Bild: aktion tier, Ursula Bauer
Im Hundebereich wurde jeder einzelne Hund begrüßt. Bild: aktion tier, Ursula Bauer
Die Kinder haben für die Tiere einiges gebastelt. Bild: aktion tier, Ursula Bauer
Schnüffelteppiche für die Hunde und Heuspielzeug für die Kaninchen und Meerschweinchen. Bild: aktion tier, Ursula Bauer

Einige Samtpfoten konnten in ihren Zimmern besucht und gestreichelt werden, aber bei den scheuen Straßenkatzen mussten unsere jungen Besucher ganz leise sein, um die ohnehin schon gestressten Tiere nicht zu beunruhigen. Das Tierheim in Zossen ist zusätzlich zu den üblichen Aufgaben ein Stützpunkt des aktion tier Straßenkatzen-Hilfprojekts KITTY. Daher konnten die Kinder viel darüber erfahren, wie die herrenlosen Tiere auf der Straße leben, dass wir sie an Futterstellen versorgen und betreuen und wie sie zur Kastration eingefangen werden. Letzteres konnten die Kinder ganz praktisch erleben, indem sie lernen und ausprobieren konnten, wie so eine Lebendfalle funktioniert.

Eigentlich war es im Anschluss noch geplant mit der Gruppe Schlafhäuschen für die freilebenden Katzen zu basteln, aber die Zeit war so schnell vergangen, dass die Lehrer zum Aufbruch drängten, um den Bus nicht zu verpassen. Schnell überreichten die Kinder noch ihr selbstgebasteltes Spielzeug wie Schnüffelteppiche für die Hunde, Reizangeln für die Katzen und Heurollen für die Kaninchen. Dann mussten sie aber, frisch versorgt mit einigem von unserem Informationsmaterial, auch schon los.

Mit einigen Katzen konnte direkter Schmusekontakt aufgenommen werden. Foto: aktion tier, Ursula Bauer
Aus Styroporboxen kann man ganz einfach Schlafhäuschen für Straßenkatzen basteln. Foto: aktion tier, Ursula Bauer
Ann Kari Sieme von aktion tier konnte über die Haustierhaltung aufklären. Foto: aktion tier, Ursula Bauer

Wir freuen uns immer, wenn uns Kindergruppen oder Schulklassen besuchen. Neben dem Tierheim mit seinen vielfältigen Lern- und Erfahrungsmöglichkeiten verfügen wir auch noch über ein speziell ausgestattetes Tierund Naturschutzzimmer, in dem Tierschutzunterricht zu verschiedenen Themen abgehalten werden kann.