Weihnachtsessen ohne Tierleid
Auch beim Fest an die Tiere denken
D Das wird durch Werbung und Marketing von Händlern unterstützt, die ganz gezielt Lücken in den Vorschriften ausnutzen. Dies gilt zum Beispiel für Gänsefleisch, welches zur Weihnachtszeit besonders beliebt ist. Mit Aufschriften wie „aus bäuerlicher Bodenhaltung“ oder als „ungarische Hafermastgans“ wird es gerne verkauft. Doch diese Bezeichnungen sind nicht geschützt, sie können frei verwendet werden und sagen weder über Herkunft noch Haltungsform etwas aus.
Genauer hinsehen lohnt sich aber besonders bei Gänsen und auch Enten, die nicht aus Deutschland stammen. Denn häufig findet man hier den Hinweis „aus Stopfmast“. Auch wenn die Tiere ohne Innereien und tiefgekühlt verkauft werden, kann das ein Hinweis auf diese Mastform sein. Die besonders grausame Zwangsernährung der Tiere ist in Ungarn erlaubt, um Stopfleber herzustellen. Diese „Delikatesse“ ist nichts anderes als die durch das Stopfen krankhaft vergrößerte Leber des Tieres. In Deutschland ist die Herstellung verboten, der Import aber legal. Der Geflügelproduzent verdient so gleich doppelt, denn die „foie gras“ („fette Leber“) und der Rest des Tieres können getrennt nach Deutschland verkauft werden. Aufgrund fehlender Mast- und Haltungsverordnungen und mangelhaften Tierschutzvorschriften zu einem deutlich günstigeren Preis als Fleisch aus einheimischer Aufzucht.
Jedes Jahr werden mehr als 6000 Tonnen Gänsefleisch aus Stopfmast nach Deutschland importiert und an Endkunden verkauft, die davon vielleicht gar nichts wissen oder nicht wissen wollen.
Noch immer gibt es für sie keine ausreichende, verbindliche Haltungsverordnung. Hauptsächlich wird die Zucht durch den Profit gesteuert. Bis zu 50% der Tiere sterben schon vor dem Ende der Mastperiode an den Folgen der grausamen Haltung in Mastkäfigen. Viele andere Tiere, darunter Schweine, Rinder und viele Geflügelarten werden im besten Fall genau nach Vorschrift gehalten, doch vergleicht man die Anforderungen und auch das Tierschutzgesetz mit den realen Zuständen in deutschen Ställen, dann wird schnell deutlich: Fleisch zu essen bedeutet immer Leid zu verursachen. Regelmäßig werden Skandale in der industriellen Tierhaltung aufgedeckt; Mäster und Züchter halten sich nicht an Mindeststandards, Tiere leiden unter Enge, Stress und Verletzungen, manche bis zum Tod. Genauso regelmäßig werden nach Bekanntwerden solcher Bilder einzelne Mastbetriebe gesperrt oder von Supermärkten ausgelistet, doch langfristig ändert das kaum etwas.
Auch von den ca. 25-30 Millionen Kaninchen, die jährlich bei uns verspeist werden, kommt ein Großteil zu Ostern und zur Weihnachtszeit auf den Teller.
Wer das Tierleid nicht unterstützen möchte, sollte daher lieber zu pflanzlichen Produkten greifen. Diese sorgen nicht nur für ein gutes Gewissen, sondern sind auch noch viel gesünder. Und verzichten muss hier schon lange niemand mehr. Die vegetarischen Würstchen oder Frikadellen zum Kartoffelsalat sind mittlerweile in jedem Supermarkt zu bekommen. In der Regel bestehen sie aus Soja, Tofu, Lupinen oder Getreide. Richtig zubereitet fällt hier geschmacklich kaum noch ein Unterschied zum Fleischprodukt auf. Auch wer es lieber etwas opulenter mag, findet mehr als genug Alternativen. Braten, „Ente“ oder auch Käsegerichte auf Pflanzenbasis können mittlerweile so gut nachgeahmt werden, dass niemand mehr zum Fleisch greifen muss. Wer sich außerdem für frisches, regionales Gemüse wie Kürbis, Kartoffeln und Rüben entscheidet, tut nicht nur seiner Gesundheit etwas gutes, sondern verringert auch noch seinen ökologischen Fußabdruck.
Viele der vegetarischen oder veganen Alternativen sind heute im Supermarkt oder sogar im Discounter erhältlich. In fast jedem Bioladen findet man heute ein großes Sortiment – dem Weihnachtseinkauf steht also nichts mehr im Wege.
Ob mit Haltungsverordnung oder ohne, ob aus Massentierhaltung oder mit Biosiegel – kein Tier geht nach einem kurzen Leben freiwillig in den Schlachthof, um an Weihnachten im Kochtopf zu landen.